Wie Chemie hilft, Holz noch besser zu machen
Die Sonne steht tief am Horizont, der Lebenspartner lehnt lässig am Geländer, der Schaukelstuhl knarzt gemütlich auf den Dielen: Um Menschen zu finden, die eine urige Holzveranda schön finden, muss man nicht in den Süden der USA oder nach Skandinavien reisen – auch anderswo steht gediegene Feierabendromantik inmitten von Bangkirai, Massaranduba und Kiefer hoch im Kurs. Schade nur, dass der schöne Traum alle paar Jahre unterbrochen werden muss – für Anstricharbeiten, damit das Freiluftwohnzimmer nicht vergraut bzw. wegfault. Auf passendes Wetter warten, Möbel zur Seite räumen – das ist lästig, kostet Zeit und natürlich Geld.
„Holz ist ein wunderbarer Werkstoff. Aber es hat ein paar Nachteile“, sagt Dr. Andreas Böttcher, Materialschutz-Experte beim Spezialchemie-Konzern LANXESS. „Als natürliches Material ist es zum Beispiel einem mikrobiellen Abbau oder auch Vergrauung durch Sonnenlicht unterworfen, wenn es nicht geschützt wird.“ Nun ist Holz allerdings nicht umsonst einer der ältesten Baustoffe überhaupt – und so wurden in den vergangenen Jahrhunderten Dutzende von Methoden ersonnen, den schönen Naturstoff vor Schimmel & Co. zu schützen. Aber selbst vorbehandeltes Holz, zum Beispiel Holzdielen für den Terrassenbau, erfordern eben früher oder später die lästige Nachbehandlung. Geht das vielleicht auch anders? Kann man Holz also ein langes Leben verpassen, ohne alle paar Jahre den Pinsel schwingen zu müssen?
Holz 2.0
Die Antwort ist: „Ja, aber man muss ein wenig Hirnschmalz investieren“, sagt Böttcher. Das Hauptproblem mit oberflächlich applizierten, also mit dem Pinsel aufgebrachten Holzschutzmitteln ist nämlich, dass sie das Material nicht bis in den Kern schützen, so dass in gewissen Zeitabständen immer wieder nachbehandelt werden muss.
Dabei ist die Lösung – zumindest von der Idee her – eigentlich ganz einfach: Das Holz nicht nur oberflächlich, sondern in seiner Masse gegen schädliche Einflüsse zu wappnen. „Das funktioniert tatsächlich – bei sogenannten Wood Plastic Composites, abgekürzt WPC, die sich genau deshalb seit einiger Zeit einer wachsenden Beliebtheit erfreuen“, sagt Böttcher. Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine verbesserte Naturholz-Variante: Sie besteht aus Holzfasern, die mit Kunststoff zu einem enorm robusten Werkstoff verbunden werden.
