Die Wasser-Waschmaschine

Die Wasser-Waschmaschine

Kostbar – nicht nur für Durstige

Wasser ist eine der wichtigsten Flüssigkeiten auf der Erde. Nicht nur, weil Menschen jeden Tag rund zwei bis drei Liter davon brauchen, um langfristig gesund zu bleiben. Auch nicht, weil Brandung, Regen und Flüsse letztlich Küsten, Täler und ganze Kontinente formen – und damit unserem Planeten erst sein Gesicht verleihen.

„Wasser ist auch deshalb ein bedeutender Rohstoff, weil man es für viele technische Prozesse benötigt“, sagt Jean-Marc Vesselle, Leiter des Geschäftsbereichs Ion Exchange Resins bei LANXESS. Der Spezialchemie-Konzern hat das Jahr 2010 eigens zum „Wasserjahr“ erklärt – und – zeitlich dazu passend – ein neues Ionenaustauscher-Werk im indischen Jhagadia eröffnet. Was das miteinander zu tun hat? Ganz einfach: Ohne Produkte wie die aus der neuen Produktionsstätte ständen Ingenieure rund um den Globus im Umgang mit der Ressource Wasser auf verlorenem Posten – selbst wenn sie sich hundertmal mehr davon aus den Flüssen vor ihren Werken leihen könnten, als sie für ihre Anlagen brauchen.

Um das zu verstehen, muss man sich einmal näher ansehen, wofür dieses Medium in der Industrie überhaupt gebraucht wird. Einige der wichtigsten Prozesse kennt jeder, der sich in seinem Haushalt einmal aufmerksam umsieht.

Wie zuhause müssen auch in der Industrie zum Beispiel empfindliche Oberflächen gereinigt werden – und oft wird dafür Wasser verwendet. Denn dieses Medium steht fast überall in den benötigten Mengen zur Verfügung.

Außerdem braucht die Industrie Wasser, um heißen Prozessen Wärme zu entziehen. So wie der menschliche Körper etwa beim Sport oder an heißen Sommertagen schwitzt, um sich abzukühlen, kann man heiße Medien in Anlagen auf handliche Temperaturen bringen, indem man die überflüssige Hitze mit Hilfe von Wasser abführt. Dies kann auch durch Verdampfen geschehen.

Nicht zuletzt lassen sich wichtige Schlüsselchemikalien wie Säuren und Laugen nur nutzen, wenn man sie in Wasser löst. Reine Essigsäure etwa, der saure Bestandteil von Küchenessig, wäre ohne Wasser bis 17 °C etwa so fest wie Schokolade. Oder was wäre die leckerste Kaffeebohne wert, wenn man ihre Aromen nicht mit heißem Wasser herauslösen könnte?

Doch Wasser ist nicht gleich Wasser. „Für viele technische Prozesse kann man nicht einfach Wasser aus der Leitung nehmen“, betont Vesselle. Der Grund liegt bereits auf der Hand, wenn man sich das Etikett einer gewöhnlichen Mineralwasserflasche näher ansieht. Denn da ist bei weitem nicht nur Wasser drin – je nach Quelle findet man darin zahlreiche Ionen: Natrium, Calcium, Magnesium, Kalium. Zwei Gramm anorganischer Salze pro Liter gehören hier fast schon zum guten Ton.

Für technische Prozesse sind diese Salze jedoch nicht unproblematisch: Oft sind sie nämlich auf extrem sauberes Wasser angewiesen.
Wer Wasser zum Beispiel für Kühlungszwecke nutzen möchte, hätte richtig was zu tun, wenn er unbehandeltes Quellwasser verwenden würde: Die Mineralien, die das kühlende Nass auf dem Weg durch die Gesteinsschichten aufnimmt, bleiben zurück, wenn es verdampft – aber wer wollte die resultierende Salzkruste anschließend von den Wärmetauschern entfernen?

Noch wichtiger ist wirklich sauberes Wasser in der Produktion von ultrareinen Stoffen, etwa Silizium für die Mikrochip-Herstellung. Die Einkristalle, aus denen man die begehrten Wafer schneidet, sind zu 99,999999999 Prozent „sauber“: Auf zehn bis 100 Milliarden Silizium-Atome kommt darin gerade mal ein fremdes Teilchen – und das bei einem Material, das im Prinzip aus gewöhnlichem Sand gemacht wird. Um daraus Mikrochips zu fertigen, muss dieses ultrareine Material immer noch gespült, geätzt, gereinigt und chemisch behandelt werden – mit Wasser, das extrem sauber sein muss.

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