Neue Quellen müssen her
Die Erdölreserven der Erde sind endlich. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Nachfrage nicht auf Dauer bedient werden kann. Der weltweite Ölverbrauch wird sich sogar noch weiter erhöhen. Allein seit 2009 ist er von 82,7 Millionen auf aktuell 89,2 Millionen Barrel am Tag gestiegen (ein Barrel sind rund 160 Liter). Dabei hat die Ölförderung längst ihr Maximum erreicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet damit, dass der Bedarf bis 2030 verglichen mit 2007 um 21 Prozent ansteigen wird. Bereits 2015 wird die Nachfrage das Angebot übersteigen. Die steigenden Investitionen in schwierig zu fördernde Vorkommen wie zum Beispiel Ölschiefer und Ölsande etwa in Kanada sind ein Zeichen dafür, dass sich auch die Ölkonzerne vom „easy oil“, dem „einfachen Ölgeschäft“, verabschiedet haben.
Grund genug, nach Alternativen zu suchen, die die globalen Ölreserven ergänzen könnten. Hinzu kommen ganz praktische Gründe: Der Ölpreis, der 2003 noch bei 25 US-Dollar lag, ist mittlerweile auf über 100 US-Dollar geklettert. Charles Maxwell, Energieanalyst bei Weeden & Co., einem namhaften amerikanischen Brokerhaus, rechnet damit, dass der Ölpreis bis 2020 auf 300 US-Dollar pro Barrel ansteigen könnte. Die jüngsten Ereignisse in der arabischen Welt haben zudem die Verlässlichkeit der größten Erdöllieferanten ins Wanken gebracht. Schließlich gewinnen die Umweltbelastungen, die im Zusammenhang mit dem Ölverbrauch stehen, weltweit an Bedeutung. All das hat massive Bestrebungen angestoßen, die anstehende Herausforderung zu meistern.
Für die chemische Industrie steht viel auf dem Spiel

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An den derzeitigen Entwicklungen nutzbarer Alternativen zu fossilen Ressourcen hat die chemische Industrie einen großen Anteil. Ob Fahrzeugteile und Reifen, Fasern und Kunststoffe, Mobiltelefone, Schuhe oder Baumaterialien – zur Produktion der weltweit benötigten Konsum- und Industriegüter werden Ausgangsstoffe genutzt, die die chemische Industrie liefert. Nahezu alle chemischen Herstellungsverfahren basieren auf Erdöl. Für Chemieunternehmen ist der Ölpreis daher von entscheidender Bedeutung; er macht zwischen zehn und 60 Prozent der Herstellungskosten chemischer Produkte aus.
Die Industrie arbeitet heute mit Hochdruck an Lösungen, um erdölbasierte Ressourcen irgendwann durch erneuerbare Rohstoffe zu ersetzen. Als besonders vielversprechend erweist sich hier die Umwandlung von Biomasse wie Mais, Ölsamen oder Zuckerrohr in chemische Grundstoffe.
Dr. Axel C. Heitmann, Vorstandsvorsitzender des Spezialchemie-Unternehmens LANXESS, bezeichnet die Entwicklung von auf Biomasse basierenden Produktionsverfahren als „das wahrscheinlich größte internationale Forschungs- und Entwicklungsvorhaben aller Zeiten“. Heitmann ist überzeugt: „Diese riesigen Forschungsanstrengungen, gepaart mit den Zielen, die sich 66 Länder der Welt in Sachen Erneuerbare Energien gesetzt haben – darunter auch das EU-Ziel eines 20-prozentigen Anteils bis 2020 – zeigen: Wir meinen es ernst!"
Und die Bestrebungen versprechen gute Geschäfte: Die Unternehmensberatung McKinsey & Company geht davon aus, dass das Marktvolumen für biomassebasierte Chemie- und Pharmaprodukte bis 2020 auf 154 bis 300 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Viele Manager in der Chemieindustrie rechnen damit, dass in zehn Jahren ein Fünftel der chemischen Industrie auf biotechnologischer Basis arbeiten wird.
